Als ich vor etwas über einem Jahr gefragt wurde, ob ich nicht Lust auf ein Regie-Projekt auf der Theaterbühne hätte, zögerte ich nur kurz und sagte noch am selben Abend zu. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich den Roman „Wir“ von Jewgenij Samjatin, auf dem der Theaterabend basieren sollte, noch gar nicht gelesen. Ich wusste nur, dass es ein dystopischer Roman über einen Ingenieur war, das hatte ich eiligst auf Wikipedia nachgelesen. Ein Ingenieur als Protagonist? – Wie passend für mich, ging es mir durch den Kopf. Seitdem habe ich mich mehrfach durch den Text gefressen, mal in die eine, dann wieder in die andere Richtung gegrübelt, wie sich aus diesem Text eine Bühnenfassung formen lässt.
Große Bühne. Live-Hörspiel. Zwei Schauspieler*innen und eine Musikerin.
An diesen Punkt zu kommen, wo ich, wo wir, nun, wenige Tage vor der Premiere am 11.04.2026, stehen, mag nicht immer ein geradliniger Weg gewesen sein. Dafür lehrreich, spannend und (fast) immer motiviert, stetig auf die Premiere hinzuarbeiten. Es hat mir große Freude bereitet, mich mit der Geschichte um D-503, O-90 und I-330 zu befassen, den Tagebuch-Roman eines Ingenieurs zu erkunden, der anfangs völlig überzeugt vom utopischen Potential des äußerst regulierten Lebens im „Einzigen Staat“ ist, bis er scheinbar beiläufig an dessen Prinzipien scheitert.
Mein Gehirn war ein blitzender, chronometrisch regulierter Mechanismus, nun aber …
Die Sprache Samjatins steckt voller technischer und mathematischer Metaphern. Dass in genau diesen Formulierungen eine Schwierigkeit des Stoffs liegt, begriff ich teilweise erst in den Unterhaltungen mit meinem Dramaturgen. Welche Emotion drückt eine „Wurzel -1“ denn aus? Wie lassen sich die Doppeldeutigkeiten und Feinheiten des Textes wie die „gerade Linie des Einzigen Staates“ auf die Bühne bringen? Welche überhaupt?
Ich bin allen dankbar, die sich mit mir auf diese Reise begeben, mich mit Fragen gelöchert und gemeinsam nach Antworten auf unsere Fragezeichen gesucht haben, die mir diese erste Regie an einem Theaterhaus zugetraut und meiner Idee einer nahezu leeren Bühne, auf der alle Räume aus Licht entstehen, vertraut haben.

Live.Hör.Spiel. Die Geschichte von der auditiven Ebene her zu ergründen und dabei Bilder für eine Bühne zu finden, ein Erlebnis zu entwickeln, dass das Publikum eintauchen und mitfühlen lässt. Mit diesem Konzept habe ich mich der Inszenierung „WIR“ gestellt. Ob dieses am Ende aufgeht, darf das Publikum im Gerhart-Hauptmann-Theater Zittau ab 11.04.2026 beurteilen.
Weitere Informationen gibt es auf der Theater-Homepage.
